

Turm IV – Unser Vereinsheim mit Geschichte und Charakter
Unser Vereinsheim ist kein gewöhnlicher Ort – es ist der Turm IV in der Böblinger Straße 32 in Ulm. Dieser beeindruckende Bau gehört zur Bundesfestung Ulm, der größten Festungsanlage des 19. Jahrhunderts in Europa. Mit einer polygonalen Hauptumwallung von rund neun Kilometern war die Festung ein Meisterwerk der Militärarchitektur und sollte Süddeutschland vor Angriffen schützen.
Von der Mittelbastion zum Vereinsheim
Der Turm IV wurde zwischen 1843 und 1855 (genau 1846 bis 1848) erbaut und war ursprünglich die Mittelbastion der in Richtung Söflingen vorgeschobenen Blauflesche. Als achteckiges Turmreduit konzipiert, diente er der Verteidigung der Westfront und des Blautals. Seine Mauern waren Teil eines ausgeklügelten Systems aus Wall, Escarpe, nassem Graben und Glacis. Ergänzt wurde die Anlage durch eine Tenaille, eine Caponniere und ein Blockhaus im Saillant – typische Elemente der „neupreußischen Befestigungsmanier“.
Nach einer Modernisierung um 1880 erhielt der Turm zusätzliche Pulvermagazine und Erdtraversen. Der größte Teil der Bastion wurde 1905 abgebrochen, um Platz für die Schillerkaserne zu schaffen. Doch das Reduit – unser heutiger Turm – blieb erhalten und steht seit 1960 unter Denkmalschutz.
Fachbegriffe aus dem Text und ihre Erklärungen
- Mittelbastion
Eine Bastion ist ein in die Festungsmauer vorspringender Verteidigungswinkel.
Die Mittelbastion ist die mittlere von mehreren Bastionen eines Befestigungsabschnitts. Sie ermöglichte seitliches Bestreichen des Geländes vor der Festung. - Blauflesche
Flesche = ein pfeilförmiges, nach außen offenes Außenwerk einer Festung.
Die Blauflesche war ein solches Außenwerk der Ulmer Bundesfestung, vorgeschoben in Richtung des Blautals. - Turmreduit
Ein reduit ist der innerste Rückzugsraum einer Befestigung, stark gesichert und oft zentral gelegen.
Ein Turmreduit ist die turmförmige Variante davon – ein massiver Verteidigungsturm. - Wall
Ein aus Erde aufgeschütteter, breiter Verteidigungsdamm, auf dem oft die Hauptwaffen (z. B. Geschütze) standen. - Escarpe
Die innere Böschung oder Mauer des Festungsgrabens, also die Seite, die zur Festung hin zeigt. In steinernen Festungen meist eine hohe gemauerte Wand. - Nasser Graben
Ein mit Wasser gefüllter Graben vor einer Festungsmauer.
Er verhindert oder erschwert das Herankommen von Angreifern. - Glacis
Ein nach außen sanft abfallender Erdhang, der Angreifern keine Deckung bietet und Angriffe verlangsamt. Ein zentrales Element moderner Festungsbaukunst des 19. Jahrhunderts. - Tenaille
Zangenförmiges Verteidigungswerk zwischen zwei Bastionen.
Sie ermöglicht das Flankieren von Angreifern, die den Graben erreicht haben. - Caponniere
Ein niedriger, langgestreckter Bau im Festungsgraben, der es ermöglicht, den Graben mit Gewehr- oder Kanonenfeuer zu bestreichen. - Blockhaus (im Saillant)
Blockhaus: stark befestigter kleiner Bau, meist aus massivem Mauerwerk oder Holz.
Saillant: der nach außen vorspringende Winkel eines Befestigungswerks.
→ Ein Blockhaus im Saillant deckte den vorstehenden Winkel besonders stark. - Neupreußische Befestigungsmanier
Eine preußische Weiterentwicklung der Befestigungsarchitektur im 19. Jahrhundert, die Wert auf:
- starke Erdwerke
- tief gestaffelte Verteidigung
- reduzierte, aber wirkungsvolle Steinkonstruktionen
- moderne Feuerführung
legte.
Ein Ort voller Leben
1981 übernahm unsere Sporttauchergruppe Ulm/Neu-Ulm den Turm und hauchte ihm neues Leben ein. In zwei Jahren harter Arbeit wurde das historische Gemäuer liebevoll renoviert. Heute ist der Turm einer der best erhaltenen Teile der Bundesfestung Ulm und bietet eine einzigartige Atmosphäre für Ausbildung, Seminare und Feiern mit bis zu 70 Personen. Im Keller befindet sich unsere moderne Füllanlage für Tauchflaschen.
Nach jedem Training – montags und samstags – treffen wir uns hier, um den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen. Und natürlich auch bei Clubabenden, Workshops und besonderen Events. Der Turm ist unser Treffpunkt, unser Rückzugsort, unser Stück Geschichte.
Historische Meilensteine der Bundesfestung Ulm
- 27.02.1819 – Ulm wird zu einem Waffenplatz für Süddeutschland und zu einer Zentralfestung ersten Ranges bestimmt.
- 26.03.1841 – Zur Sicherung der oberrheinischen Grenze werden die Plätze Ulm und Rastatt befestigt.
- 25.06.1842 – General von Prittwitz erstattet Bericht über die Festung Ulm und erkennt die besondere Bedeutung der Anstauung der Blau zur Überschwemmung des Vorfeldes südlich der Blaubeurer Straße.
- 11.08.1842 – Die Grundzüge der Festung Ulm werden festgelegt. Dauer der Planung: ca. 23 Jahre.
- 06.02.1843 – Beginn der Arbeiten an der Bundesfestung Ulm. Der Reichenauer Hof wird für die Festungsbaudirektion erworben und als Sitz der Direktion genutzt.
- 18.10.1844 – Grundsteinlegung in der Citadelle Wilhelmsburg.
- 1842–1855 – Bau von Versorgungsanlagen und Befestigungen, darunter auch Turm IV.
Warum Turm IV so besonders ist
Wer den Turm betritt, spürt sofort die Mischung aus historischem Charme und moderner Ausstattung. Hier verbinden sich Geschichte, Gemeinschaft und Abenteuer. Ein Ort, der nicht nur Mauern hat, sondern Geschichten erzählt.

